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State Library of Iowa

1915 Yearbook

1915 Yearbook

Title

1915 Yearbook

Description

DER 8te November, 1908, war ein grosser Tag in der Geschichte des
Kollegiums. An diese Tage, namlich, versammelten sich zum
ersten Male einige der deutsch-sprechenden und deutsch-studie-
renden Studenten um einen deutschen Verein zu griinden, des-
sen Zweck sein sollte den Mitgliedern besondere Gelegenheit zu
geben, sich der deutschen Sprache machtig zu machen. Dieser
ersten Versammlung wohnten sechzehn Mitglieder bei. Unter
denselben befanden sich mehrere die jetzt zu der Hochwurdigen Geistlichkeit ge-
horen. Censor und Direktor war der Hochw. Herr Hauber, und die ersten Be-
amten waren Herr N. Meinhardt, Prasident, und Herr H. Takkenberg, Sekretar,
beide jetzt Professoren im Kollegium. Versammlungen wurden wochentlich ge-
halten, und die Programme bestanden grosstenteils aus Debatten, Vortragen,
Deklamationen, und deutschen Liedern.
Im nachsten Jahre war die Zahl der Mitglieder vergrossert. Der eine
Wunsch der alle erfullte war, im Laufe des Jahres ein deutsches Schauspiel auf-
zufuhren. Es war aber nur ein Mitglied im Vereine das Erfahrung fur solche
Arbeit hatte, namlich Herr Franz Ostdiek. Doch was an Talent und Ausbildung
mangelte, wurde durch grenzlose Begeisterung und Bereitwilligkeit ersetzt Am
lOten April, 1910, ging "Bauer als Konig Herodes," ein Schwank in zwei Aufzii-
gen uber die Bretter, und zwar mit so trefflichem Erfolge dass Mistrauen und Be-
denken ein fur alle Male beiseite gesetzt waren. 0 wie stolz fuhlten wir uns an
diesem Tage! Und jedes Jahr wurde diese Grosstat wiederholt. "Der Schuster-
junge," "Der Darwinaffe," "Der Wunderdoktor," jedes Jahr verdiente sich der
Verein grosseren Ruhm, so dass, als am ersten Mai, 1914, das Lebensbild "Wan-
derjahre" zur Auffiihrung gelangte, eine liberaus grosse Anzahl von Zuhorern in
dem Auditorium versammelte. Ware die Lange dieses Artikels nicht beschrankt,
so konnten wir vieles Schmeichelhafte tiber den Erfolg dieses Unternehmens aus
der hiesigen deutschen Presse zitieren. Allerdings hat der Verein Grund auf
seine Leistungen stolz zu sein, denn ohne Grosstun ist es wahr, dass "Um eine
solche Auffiihrung durch in diesem Lande geborene junge Leute zu ermoglichen,
bedarf es grosser Geduld und noch grosseren Fleisses."
Dass wir dieses Jahr keine offentliche Unterhaltung aufbrachten ist keines-
wegs dem Mangel an Geist und Talent zuzuschreiben, sondern verschiedenen Ur-
sachen, Krankheit zum Beispiel, die die ungeheure Arbeit die mit der Vorberei-
tung eines Schauspieles verbunden ist, unmoglich machten. Aber die Mitglieder
haben sich fest vorgesetzt, dass "Wanderjahre" nicht das letzte Schauspiel sein
oil, und nachstes Jahr, Deo volente, werden wir dasselbe ubertreffen.
Zum Schluss mochte der Schreiber, der ein Stammmitglied ist, kundgeben,
dass er vor sieben Jahren sich in deutscher Sprache kaum verstandlich machen
konnte, dass er aber jetzt, dank der Uebung im Vereine und auf der Buhne, in
deutscher Unterhaltung sich ganz leicht zurecht findet. Und er steht nicht al-
lein, alle Mitglieder behaupten dasselbe. Wir, die wir unsere letzte Versammlung
als aktive Mitglieder beigewohnt haben, sprechen vom Herzen die Worte—ad
multos annos, vivat, screscat, floreat! KARL VAN WAUS) Sekretar.

Date

1915

Rights

St. Ambrose University, 518 W. Locust St., Davenport, IA 52803

Identifier

http://cdm16810.contentdm.oclc.org/cdm/ref/collection/p16810coll2/id/3631